Die Nibelungen- und Lutherstadt Worms

Geschichte – ohne die geht es in Worms nicht!

Worms kann auf eine lange und auch wechselvolle Geschichte zurückblicken. Bereits um 5000 v. Chr. siedelten Ackerbauern und Viehzüchter auf dem Gebiet der heutigen Stadt. Der älteste überlieferte Name für Worms geht auf die keltische Bezeichnung Borbetomagus zurück, was soviel wie Wasser bzw. Quelle bedeuten kann oder eine Ableitung des Götternamens Bormo ist.

Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches unter Kaiser Augustus wurden die seit 800 v. Chr. hier ansässigen Kelten verdrängt. Die römische Herrschaft endete zu Beginn des 5. Jahrhunderts und die Stadt wurde für kurze Zeit Sitz des Burgunderreiches.

Im frühen Mittelalter, unter der Regentschaft von Karls des Großen, war Worms ein bedeutender Pfalzort und gewann zunehmend an politischer Bedeutung. König Heinrich IV. verlieh der Stadt im Jahre 1074 das Privileg der Zollfreiheit, was den wirtschaftlichen Aufschwung zusätzlich förderte.

Dom zu Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Dom zu Worms

Das Mittelalter war für Worms ohnehin eine Blütezeit. So entstand u.a. im 12. Jahrhundert der romanische Dom, eines der berühmtesten Zeugnisse der Romanik auf deutschem Boden.

Auch im Nibelungenlied, das um 1200 entstand, nimmt Worms einen wichtigen Platz ein. In diesem Heldenepos ist die Stadt einer der wichtigsten Schauplätze des Geschehens.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Disputation Martin Luthers mit Kaiser Karl V. auf dem Reichstag. Hier sollte Luther seine Thesen widerrufen, die er in Wittenberge angeschlagen und später verteidigt hatte.

Um 1500 zählte Worms bereits über 6000 Einwohner, zahlreiche Stifte und Klöster, neun Pfarreien und etwa 15 Kapellen sowie Hospitäler und Klosterhöfe. Die erfolgreiche Entwicklung der Stadt seit dem Hochmittelalter ist auch der jüdischen Gemeinde zu verdanken. Ihre Zeugnisse sind noch heute in vielfältiger Weise hier zu finden.

Nach dem 16. Jahrhundert begann ein langer und stetiger Niedergang, der bis ins 19. Jahrhunderts anhielt. Neben dem Dreißigjährigen Krieg beschleunigte auch die verheerende Zerstörung der Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 den Niedergang der Reichsstadt.

Die Lederindustrie war am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts der wichtigste Wirtschaftsfaktor und verhalf der Stadt zu neuer Weltgeltung. In den folgenden Weltkriegen wurde jedoch ein Großteil der Industrieanlagen und Wohnhäuser zerstört. Insbesondere die Bombenangriffe im Februar und März 1945 richteten enorme Schäden an.

Nach dem Krieg wurde die Innenstadt weitgehend im modernen Stil wieder aufgebaut. Heute zählt Worms ungefähr 83.000 Einwohner. Die chemische und kunststoffverarbeitende Industrie, die Möbelherstellung, die Metallverarbeitung, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und nicht zuletzt der Weinhandel spielen eine wichtige Rolle im Leben der Stadt.

Aufgrund ihrer langen und kulturell reichen Geschichte ist Worms Mitglied im Most Ancient European Town Network, einer Vereinigung der ältesten Städte Europas. Damit ist Worms die einzige Stadt in Deutschland, die dieser Gesellschaft angehört.

Was ist in Worms sehenswert?

Nibelungenmuseum in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Nibelungenmuseum

Nibelungenmuseum

Das Nibelungenmuseum befindet sich in einem dafür sehr passenden Umfeld, nämlich in den Mauern der alten Stadtbefestigung mit ihren beiden Türmen aus dem 12. Jahrhundert. Im Gegensatz zum äußeren Erscheinungsbild ist das Museum im Inneren minimalistisch gehalten und mit modernster Multimediatechnik ausgestattet.

Mit dem Autoguide geht es hier auf eine Entdeckungsreise durch die Nibelungensage. An verschiedenen Stationen im Sehturm, Wehrgang und Hörturm erfährt man alles über das Nibelungenlied und seine Entstehung. Dabei kann zwischen einer Kurzfassung und einer ausführlichen Version gewählt werden. Ein Hörerlebnis, das sich lohnt!

Neben der „klassischen“ Führung ist alternativ auch ein Rundgang zum „Ring des Nibelungen“ möglich, der neben dem Werk und Wagner auch auf die aktuelle Inszenierung des Stückes durch das Mannheimer Nationaltheater eingeht.

Sehturm im Nibelungenmuseum in Worms am Rhein bei Drachenwolke Geschichten
Sehturm
Nibelungenmuseum Worms bei Drachenwolke Geschichte und Legenden, Sagen und Infos über den Rhein
Wehrgang
Nibelungenmuseum in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Vorderansicht Nibelungenmuseum

Siegfrieds Grab

Siegfrieds Grab in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Siegfriedgrab

Direkt neben dem Museum und ebenfalls vom Wehrgang aus sichtbar, befindet sich das Siegfriedgrab. Das Hügelgrab ist etwa dreizehn Meter lang und wird von zwei Monolithen begrenzt. Dieser Nachbildung des Künstlers T. W. Eichfelder lagen alte Überlieferungen zugrunde. Das Originalgrab, das noch im 17. Jahrhundert vor der Stadt von sakralen Bauten umgeben war, ist leider in den letzten Jahrhunderten verloren gegangen.

Der Nibelungenturm

Nibelungenturm in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Nibelungenturm

Der Nibelungenturm steht am Eingang zur Stadt. Er befindet sich direkt an der Nibelungenbrücke, der alten Wormser Rheinbrücke. Dieser monumentale, 53 Meter hohe Turm wurde 1900 nach den Plänen des Stadtbaumeisters Karl Hofmann errichtet. Der im Nibelungenstil erbaute Turm weist charakteristische Elemente der Romanik auf. An der Fassade befinden sich die Wappen der damaligen Provinzhauptstädte des Großherzogtums: Mainz für Rheinhessen, Darmstadt für Starkenburg und Gießen für Oberhessen.

Hagenstandbild in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Hagendenkmal

Das Hagenstandbild

Das am Rheinufer stehende Bronzestandbild erinnert an die Versenkung des sagenumwobenen Nibelungenschatzes im Rhein. Das Hagendenkmal wurde von Johannes Hirt entworfen und 1905 fertiggestellt.

Dom St. Peter

Der Dom St. Peter ist einer der drei rheinischen Kaiserdome, zu denen auch Speyer und Mainz gehören.

Die Ursprünge des Wormser Doms reichen weit zurück. Diese lange Geschichte beruht auch auf der Tatsache, dass der Dom sich auf einem Hügel befindet, der die höchste Erhebung in der Umgebung darstellt. Diese günstige Lage bot in früheren Zeiten einen relativ sicheren Schutz vor Hochwasser.

Schon die Römer wählten diese Stelle, um hier einen Tempelbezirk zu errichten. Nach der Ansiedlung der Burgunder und der Machtergreifung durch die Hunnen besiedelten die Franken das Gebiet um Worms. Um 600 entstand auf den Fundamenten des römischen Forums die erste Kirche, die als Vorgängerbau des heutigen Doms gilt.

Mit dem Bau des Doms in seiner heutigen Größe wurde zu Anfang des 11. Jahrhunderts unter Bischof Burchard begonnen. Bereits der erste Bau war im Inneren reich verziert und stellenweise vergoldet.

Dom in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Domportal

Wegen schwerer Bauschäden wurde der Dom im 12. Jahrhundert weitgehend neu errichtet. Die Bauarbeiten begannen 1133 unter Leitung von Bischof Burchard II und dauerten bis etwa 1181 an.

Die Bedeutung des Bistums und des Doms nahm jedoch bereits zur Zeit des Reichstags zu Worms ab. Nach 1521 schlossen sich zudem viele Kirchengemeinden und fast alle Pfarreien der Lehre Martin Luthers an.

Der Dreißigjährige Krieg, der Pfälzische Erbfolgekrieg sowie die Französische Revolution fügten dem Dom schwere Schäden zu. Aus diesem Grund wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten begonnen.

Verheerende Spuren hinterließen die Bombenangriffe in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Nach Kriegsende wurde der Wiederaufbau erneut aufgenommen. Für die Wiederherstellung des Dachstuhls wurde beispielsweise Stahlmaterial der gesprengten Gernsheimer Rheinbrücke verwendet.

Heute ist der Dom das stolze Wahrzeichen von Worms und beeindruckt noch immer durch seine großartige romanische Baukunst.

Lutherdenkmal

Lutherdenkmal in Worms bei Drachenwolke Geschichten
Lutherdenkmal

Das Wirken Luthers ist eng mit Worms verbunden. Nachdem er 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberge angeschlagen und diese in den folgenden Jahren verteidigt hatte, wurde er 1521 vor den Reichstag geladen, um diese zu widerrufen.

Das Lutherdenkmal nach dem Entwurf von Ernst Rietschel ist deshalb so gestaltet, dass die zentral stehende Figur Luthers in Richtung des damaligen Bischofshofes blickt, wo der Reformator vor dem Kaiser stand. Neben Luther stehen seine Förderer Kurfürst Friedrich der Weise und Philipp der Großmütige. Weitere gruppierte Figuren sind Petrus Waldus, John Wyclif, Jan Hus, Johannes Reuchlin, Philipp Melanchthon und der Mönch Girolamo Savonarola. Die umgebende Mauer ist mit den Wappen der Städte versehen, die sich der Reformation angeschlossen haben.

Ludwig IV Denkmal in Worms bei Drachenwolke
Ludwigdenkmal

Das Ludwigsdenkmal

Das Ludwigsdenkmal ist ein beeindruckender Obelisk auf dem Ludwigsplatz, direkt im Zentrum von Worms. Es erinnert an die militärischen Leistungen des 1892 verstorbenen Großherzogs Ludwig IV, der die Truppen im Krieg gegen Frankreich 1870/71 befehligte.

Die Liebfrauenkirche

Liebfrauenkirche in Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Liebfrauenkirche

Die römisch-katholische Liebfrauenkirche befindet sich im Norden der Stadt. Obwohl in der Stadt gelegen, ist diese gotische Kirche noch heute von Weingärten umgeben. Die von hier stammenden Weine tragen auch ihren Namen – Liebfrauenmilch.

Um die Entstehung des Namens Liebfrauenmilch rankt sich auch eine Sage. Wie der Teufel dabei seine Finger im Spiel hatte, erfährst du hier.

Das Wormser Schicksalsrad

Schicksalsrad Worms bei Drachenwolke Geschichten und Sagen Legenden und Infos rund um den Rhein
Wormser Schicksalsrad

Auf dem Obermarkt erzählt das Schicksalsrad in verschiedenen Darstellungen von der langen wie auch bewegten Geschichte Worms.

Die erste Darstellung ist die des stolzen Reiters, der den skrupellosen Eroberer verkörpert. Neben der Siegesgewissheit werden hier auch das Leid und die Verzweiflung gezeigt, welche die Eroberungszüge mit sich brachten. Hintergrund dieser Darstellung ist die Tatsache, dass die Geschichte von Worms, angefangen mit den römischen Invasoren, von Krieg und Unterdrückung geprägt ist.

Die Nibelungen werden durch Brunhild und Kriemhild verkörpert, die sich vor dem Wormser Dom streiten. Diese Begebenheit aus dem Nibelungenlied, einer der bedeutendsten Dichtungen der deutschen Kultur, ist die Schlüsselszene, welche zum Untergang Siegfrieds führt.

Zwischen den beiden ersten Darstellungen ist der Grundriss des Domes zu sehen, der auf seinen Gründer, Bischof Burchard von Worms, verweist. Der gezeigte Grundriss des Doms bildet noch heute die Grundlage für dieses außergewöhnliche Bauwerk.

Die Darstellung eines rauschenden Festes aus der Kaiserzeit zeigt die Hochzeit des Stauferkaisers Friedrich mit Isabella, der Schwester des englischen Königs. Diese Szene symbolisiert zugleich auch den Aufschwung im Mittelalter.

Als eher schlichtes Gegenbild erinnern die jüdischen Schriften und die segnenden Hände an das Leben der Juden in Worms. Vor allem im Mittelalter verdankte die Stadt den Juden einen großen Teil ihres wirtschaftlichen Aufschwungs und Wohlstands. Neben Höhen erlebte die jüdische Bevölkerung leider auch viele Tiefen, wie die Judenverfolgungen in verschiedenen Epochen belegen.

Die folgende Darstellung zeigt ein weiteres Ereignis, das die Stadt geprägt hat – die Begegnung Luthers mit dem Kaiser. Die damit verbundenen lutherischen Worte „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen.“ sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Das Duell mit den Kreuzen im Hintergrund verdeutlicht noch einmal mehr den theologischen Streit der Reformation, der nicht nur Auswirkungen auf die Religion hatte, sondern auch an alten machtpolitischen Grundfesten rüttelte.

Auf die Reformation folgt die Abbildung brennender Häuser, die erneut Leid und Zerstörung zeigt. Der Dreißigjährige Krieg, der Pfälzische Erbfolgekrieg und der Einmarsch französischer Truppen 1794, bei dem das barocke Bischofsschloss zerstört wurde, hinterließen tiefe Spuren der Verwüstung und des Elends in der Bevölkerung.

Auf Zeiten der Zerstörung folgten immer wieder Zeiten des Wiederaufbaus. In einer solchen Periode entwickelte sich die Lederindustrie, für die Worms seit dem 19. Jahrhundert weltweit bekannt war. Dieser Industriezweig brachte der Stadt Wohlstand, der sich beispielsweise in dem 1888 eingeweihten Spiel- und Festhaus widerspiegelte. Der aufkommende Nationalsozialismus wurde zu dieser Zeit noch nicht als Gefahr wahrgenommen. Dies sollte sich erst später in schrecklicher Deutlichkeit zeigen.

Die Zerstörung der Dreifaltigkeitskirche am Ende des Zweiten Weltkrieges verweist auf das Leid und den Schmerz, die der Nationalsozialismus später mit sich brachte. Im März/April 1945 legten die Bombenangriffe der Alliierten die Stadt in Schutt und Asche.

Die letzte Darstellung – am Ende bleibt nur noch der Narr. Der Stadtnarr bleibt nüchtern, er sieht, gibt wieder und hält uns so den Spiegel vor. Und das Rad der Geschichte dreht sich weiter …

Meine Ausführungen über Worms haben mit der Geschichte der Stadt begonnen und enden mit ihr. Was noch bleibt? Ein Spaziergang am Rhein, um tief durchzuatmen …

Rheinpromenade Worms am Rhein bei Drachenwolke Geschichten
Rheinpromenade Worms

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