Zwischen Düsseldorf und Köln, fast genau in der Mitte, liegt die charmante Stadt Monheim am Rhein. Auch wenn sie viel kleiner als ihre großen Nachbarn ist, überrascht sie doch mit einer beeindruckenden Vielseitigkeit. Historische Gassen, moderne Kunstwerke, lebendige Stadtbereiche und die weitläufigen Rheinauen machen Monheim zu einem Ort, an dem urbanes Leben, Kultur und Natur harmonisch miteinander verbunden sind.

Die Altstadt – das historische Herz von Monheim

In der Altstadt von Monheim ist der Charme vergangener Zeiten noch immer spürbar. Am schönsten und entspanntesten gelangt man über die Fußwege durch die Rheinauen dorthin, vorbei am Landschaftspark Rheinbogen, der mit seinen weiten Wiesen und Ausblicken auf den Rhein bereits einen wunderbaren Eindruck vom Fluss und seiner Natur vermittelt.
Die Route führt direkt zum Alten Markt, gesäumt von gemütlichen Restaurants, Cafés und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Von hier aus fällt der Blick sofort auf das Wahrzeichen der Stadt: den Schelmenturm.
Der rund 26 Meter hohe Rundturm stammt aus der Zeit um 1426 und diente einst als Wehrturm der städtischen Befestigung. Später wurde er auch als Gefängnis genutzt. Daher kommt auch sein Name: Als “Schelm” wurden nämlich früher Verbrecher, Betrüger oder Langfinger bezeichnet — das ist eine etwas andere Wortbedeutung als heute.
Genau darauf verweist auch die Rückseite des Turms: Dort befindet sich die 2,45 Meter hohe Schelmenfigur der Künstlerin Elke Tenderich-Veit. Diese Bronzeskulptur entstand nach dem Vorbild einer kleineren Figur, die von der Monheimer Karnevalsgesellschaft alljährlich als Ehrenpreis verliehen wird. Der Karneval hat in Monheim einen hohen Stellenwert und wird jedes Jahr mit zahlreichen traditionellen Veranstaltungen gefeiert.
Interessierte können den Schelmenturm inzwischen regelmäßig an Wochenenden besuchen und dabei spannende sowie informative Einblicke in die Stadtgeschichte erhalten.



Ein weiterer Blickfang der Altstadt ist die Kirche St. Gereon. Wobei lediglich der Turm von der im 11. Jahrhundert errichteten, ursprünglich romanischen Basilika stammt. Alle übrigen Gebäudeteile fielen im Laufe der Jahrhunderte der Baufälligkeit oder den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Deshalb wurde St. Gereon in den 1950er-Jahren in ihrer heutigen Form wiedererrichtet: als zweischiffiger Backsteinbau, in dem Geschichte und Wiederaufbau auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmelzen.
Vor der Kirche erinnert ein Denkmal an den katholischen Pfarrer Franz Boehm (1880–1945), der sich mutig gegen das NS-Regime stellte und im Konzentrationslager Dachau sein Leben ließ.



Monheim Mitte – traditionelle Straßen, moderne Akzente
Vom Schelmenturm aus führt der Weg direkt in das Stadtzentrum. Hier mischen sich traditionelle Fassaden und moderne Architektur zu einem harmonischen Stadtbild.
Gänselieselbrunnen – Ein städtisches Symbol


Unweit des Rathauses befindet sich seit 1937 der Gänselieselbrunnen, geschaffen vom Düsseldorfer Bildhauer Julius Haigis. Die Gänseliesel – dargestellt als junge Magd mit ihren Gänsen – ist längst zur Symbolfigur der Stadt geworden.
Die Ursprünge der Figur reichen jedoch deutlich weiter zurück. Bereits im 17. Jahrhundert führte der damalige Monheimer Vogt Johann Peter Aschenbroich die Gänseliesel in seinem Dienstsiegel. Dieses trug die lateinische Umschrift „Nocet esse locutum“ – „Geschwätz schadet“ – und sollte zur Verschwiegenheit in amtlichen Angelegenheiten mahnen.
Heute prägt die Gänseliesel das Stadtbild wie kaum ein anderes Motiv. Ihre Bedeutung für Monheim war schließlich so groß, dass sie in den 1930er-Jahren auch in das Stadtwappen aufgenommen wurde. Der Brunnen erinnert damit nicht nur an eine Überlieferung, sondern steht zugleich für ein Stück Monheimer Identität.

Ulla-Hahn-Haus – Ein Ort für Kreativität
Die bekannte Lyrikerin Ulla Hahn wuchs in diesem Haus auf. Heute ist es ein lebendiger Ort für Literatur und Kunst – mit vielen Angeboten für Kinder und Jugendliche. Lesungen, Workshops und kreative Projekte machen das Haus zu einem kulturellen Treffpunkt.

Eine Stadt als Freiluft-Galerie: Kunst im öffentlichen Raum
Monheim ist eine Stadt der Kunst. Überall – in der Innenstadt, am Rhein und in den Parks – begegnet man Skulpturen und Installationen verschiedener Künstler. Viele von ihnen stammen aus den Jahren 2018 bis 2024. Sie prägen das Stadtbild und erzählen jeweils ihre eigene Geschichte und Perspektive.









Der Monheimer Geysir (2020): Ein spektakuläres kinetisches Kunstwerk von Thomas Stricker in einem Kreisverkehr. Er symbolisiert die Kraft des Rheins und bricht – abhängig von den Sonnenstunden – in einer Wasserfontäne aus. Wer den nächsten Ausbruch nicht verpassen will, kann diesen über einen Online-Zähler auf der städtischen Website verfolgen.
Der Rhein mit seinen Auen
Wer Ruhe und Natur sucht, findet sie in den weitläufigen Rheinauen und Grünanlagen entlang des Flusses. Spazier- und Radwege führen durch offene Wiesenlandschaften, vorbei an alten Bäumen und immer wieder mit weitem Blick auf den Rhein.
Besonders beliebt ist der Landschaftspark Rheinbogen am Fuße der Altstadt. Auf den großzügigen Grünflächen verbinden sich Natur, Freizeit und Kunst auf harmonische Weise. Neben Spazierwegen, Aufenthaltsbereichen und dem Naturerlebnispfad finden sich hier auch verschiedene Kunstwerke und Skulpturen. Dazu zählt die Installation „Flusszeichen“ der Künstlerin Inge Welsch, die sich dezent in die Landschaft einfügt und den Bezug zum Rhein künstlerisch aufgreift.
Ein weiterer ruhiger Rückzugsort ist der Marienpark mit seinen alten Bäumen und heimischen Sträuchern. Gerade an warmen Tagen wird hier spürbar, wie eng Monheim mit dem Rhein und seinen Auen verbunden ist – als Naturraum, Erholungsgebiet und prägender Teil der Stadtlandschaft.




Wer den Rhein weiter Richtung Düsseldorf entlangwandert, stößt auf die historische Fiat Voluntas – einen ehemaligen Aalschokker, der heute das Aalfischerei-Museum beherbergt. Dort erfahren Besucher anschaulich und interaktiv, wie die Rheinfischer früher lebten und arbeiteten.
Hinweis: Da das Museum aktuell wegen Bauarbeiten geschlossen ist, empfiehlt sich vorab ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten.

Eine Stadt voller Geschichten

Monheim ist eine Stadt, die von ihren Geschichten lebt. Allen voran steht natürlich die Gänseliesel, die nicht nur im Stadtwappen erscheint, sondern auch an vielen Orten im Stadtbild präsent ist. Sie ist längst mehr als eine Figur aus vergangenen Zeiten: Sie verkörpert die Identität Monheims, die Verbundenheit mit dem Rhein, den Humor der Menschen und die Traditionen, die hier bis heute gepflegt werden. Auch die Gänse selbst – ob als Kunstwerk, Symbol oder lebendige Begleiter am Rheinufer – gehören fest zu diesem Bild.
Aber es gibt auch noch eine andere faszinierende Gestalt, die die Geschichte von Monheim geprägt hat – der fröhliche und geigespielende Musikant. Manchmal ist er sogar zusammen mit der Gänseliesel abgebildet.
Was es mit diesem lustigen Spielmann auf sich hat und welche geheimnisvolle Sage ihn mit der Stadt verbindet, das erfährst du in unserem Beitrag zur Sage vom lustigen Spielmann.



