Monheim – zwischen Rhein, Kunst und Geschichte(n)

Zwischen Düssel­dorf und Köln, fast genau in der Mitte, liegt die char­mante Stadt Monheim am Rhein. Auch wenn sie viel kleiner als ihre großen Nach­barn ist, über­rascht sie doch mit einer beein­dru­ckenden Viel­sei­tig­keit. Histo­ri­sche Gassen, moderne Kunst­werke, leben­dige Stadt­be­reiche und die weit­läu­figen Rhein­auen machen Monheim zu einem Ort, an dem urbanes Leben, Kultur und Natur harmo­nisch mitein­ander verbunden sind.

Gänsemelodie von Saman Hidayat beim Rheinbogen in Monheim, Kunstwerk aufgestellt in 2021
“Gänse­me­lodie” von Saman Hidayat

Die Altstadt – das historische Herz von Monheim

Gänsemelodie von Saman Hidayat beim Rheinbogen in Monheim, Kunstwerk aufgestellt in 2021
“Gänse­me­lodie” beim Rhein­bogen

In der Altstadt von Monheim ist der Charme vergan­gener Zeiten noch immer spürbar. Am schönsten und entspann­testen gelangt man über die Fußwege durch die Rhein­auen dorthin, vorbei am Land­schafts­park Rhein­bogen, der mit seinen weiten Wiesen und Ausbli­cken auf den Rhein bereits einen wunder­baren Eindruck vom Fluss und seiner Natur vermit­telt.

Die Route führt direkt zum Alten Markt, gesäumt von gemüt­li­chen Restau­rants, Cafés und liebe­voll restau­rierten Fach­werk­häu­sern. Von hier aus fällt der Blick sofort auf das Wahr­zei­chen der Stadt: den Schel­men­turm.

Der rund 26 Meter hohe Rund­turm stammt aus der Zeit um 1426 und diente einst als Wehr­turm der städ­ti­schen Befes­ti­gung. Später wurde er auch als Gefängnis genutzt. Daher kommt auch sein Name: Als “Schelm” wurden nämlich früher Verbre­cher, Betrüger oder Lang­finger bezeichnet — das ist eine etwas andere Wort­be­deu­tung als heute.

Genau darauf verweist auch die Rück­seite des Turms: Dort befindet sich die 2,45 Meter hohe Schel­men­figur der Künst­lerin Elke Tende­rich-Veit. Diese Bron­ze­skulptur entstand nach dem Vorbild einer klei­neren Figur, die von der Monheimer Karne­vals­ge­sell­schaft alljähr­lich als Ehren­preis verliehen wird. Der Karneval hat in Monheim einen hohen Stel­len­wert und wird jedes Jahr mit zahl­rei­chen tradi­tio­nellen Veran­stal­tungen gefeiert.

Inter­es­sierte können den Schel­men­turm inzwi­schen regel­mäßig an Wochen­enden besu­chen und dabei span­nende sowie infor­ma­tive Einblicke in die Stadt­ge­schichte erhalten.

Schelmenturm in Monheim
Schel­men­turm in Monheim
Brunnen auf dem Marktplatz in der Altstadt von Monheim
Brunnen auf dem Markt­platz der Altstadt
Schelmenfigur der Künstlerin Elke Tenderich-Veit beim Schelmenturm in Monheim
Schel­men­figur der Künst­lerin Elke Tende­rich-Veit

Ein weiterer Blick­fang der Altstadt ist die Kirche St. Gereon. Wobei ledig­lich der Turm von der im 11. Jahr­hun­dert errich­teten, ursprüng­lich roma­ni­schen Basi­lika stammt. Alle übrigen Gebäu­de­teile fielen im Laufe der Jahr­hun­derte der Baufäl­lig­keit oder den Zerstö­rungen des Zweiten Welt­kriegs zum Opfer. Deshalb wurde St. Gereon in den 1950er-Jahren in ihrer heutigen Form wieder­errichtet: als zwei­schif­figer Back­steinbau, in dem Geschichte und Wieder­aufbau auf eindrucks­volle Weise mitein­ander verschmelzen.

Vor der Kirche erin­nert ein Denkmal an den katho­li­schen Pfarrer Franz Boehm (1880–1945), der sich mutig gegen das NS-Regime stellte und im Konzen­tra­ti­ons­lager Dachau sein Leben ließ.

Kirche St. Gereon mit dem Franz-Boehm-Denkmal in Monheim
St. Gereon mit dem Franz-Boehm-Denkmal
Orgel in der Kirche St. Gereon in Monheim
Orgel in der Kirche St. Gereon
Altar in der Kirche St. Gereon in Monheim
Altar in der Kirche St. Gereon

Monheim Mitte – traditionelle Straßen, moderne Akzente

Vom Schel­men­turm aus führt der Weg direkt in das Stadt­zen­trum. Hier mischen sich tradi­tio­nelle Fassaden und moderne Archi­tektur zu einem harmo­ni­schen Stadt­bild.

Gänselieselbrunnen – Ein städtisches Symbol

Gänselieselbrunnen in Monheim
Brunnen mit der Gänse­liesel
Gänselieselbrunnen in Monheim
Seiten­an­sicht Gänse­lie­sel­brunnen

Unweit des Rathauses befindet sich seit 1937 der Gänse­lie­sel­brunnen, geschaffen vom Düssel­dorfer Bild­hauer Julius Haigis. Die Gänse­liesel – darge­stellt als junge Magd mit ihren Gänsen – ist längst zur Symbol­figur der Stadt geworden.

Die Ursprünge der Figur reichen jedoch deut­lich weiter zurück. Bereits im 17. Jahr­hun­dert führte der dama­lige Monheimer Vogt Johann Peter Aschen­broich die Gänse­liesel in seinem Dienst­siegel. Dieses trug die latei­ni­sche Umschrift „Nocet esse locutum“ – „Geschwätz schadet“ – und sollte zur Verschwie­gen­heit in amtli­chen Ange­le­gen­heiten mahnen.

Heute prägt die Gänse­liesel das Stadt­bild wie kaum ein anderes Motiv. Ihre Bedeu­tung für Monheim war schließ­lich so groß, dass sie in den 1930er-Jahren auch in das Stadt­wappen aufge­nommen wurde. Der Brunnen erin­nert damit nicht nur an eine Über­lie­fe­rung, sondern steht zugleich für ein Stück Monheimer Iden­tität.

Rathaus von Monheim
Monheimer Rathaus

Ulla-Hahn-Haus – Ein Ort für Kreativität

Die bekannte Lyri­kerin Ulla Hahn wuchs in diesem Haus auf. Heute ist es ein leben­diger Ort für Lite­ratur und Kunst – mit vielen Ange­boten für Kinder und Jugend­liche. Lesungen, Work­shops und krea­tive Projekte machen das Haus zu einem kultu­rellen Treff­punkt.

Ulla-Hahn-Haus in Monheim
Ulla-Hahn-Haus

Eine Stadt als Freiluft-Galerie: Kunst im öffentlichen Raum

Monheim ist eine Stadt der Kunst. Überall – in der Innen­stadt, am Rhein und in den Parks – begegnet man Skulp­turen und Instal­la­tionen verschie­dener Künstler. Viele von ihnen stammen aus den Jahren 2018 bis 2024. Sie prägen das Stadt­bild und erzählen jeweils ihre eigene Geschichte und Perspek­tive.

Glückliche Familie von Max Kratz 1989 / 2012 Wiederaufgestellt 2022
Glück­liche Familie (1989) von Max Kratz
Monheim Cube 2022 von Timo Seber
Monheim Cube (2022) von Timo Seber
Bronzestatue Kuh Vera 2023 von Jovita Majewski
Kuh Vera (2023) von Jovita Majewski
Social Playground 2022 von Jeppe Hein
Social Play­ground (2022) von Jeppe Hein
Social Playground 2022 von Jeppe Hein
Social Play­ground (2022) von Jeppe Hein
Bibi-Brunnen von Bernhard Guski 1992
Bibi-Brunnen (1992) von Bern­hard Guski
Glockenspiel am Doll Eck 2000 von Gerrit van Bakkel
Glocken­spiel (2000) von Gerrit van Bakkel
Flusszeichen 2002 von Inge Welsch
Fluss­zei­chen (2002) von Inge Welsch

Der Monheimer Geysir (2020): Ein spek­ta­ku­läres kine­ti­sches Kunst­werk von Thomas Stri­cker in einem Kreis­ver­kehr. Er symbo­li­siert die Kraft des Rheins und bricht – abhängig von den Sonnen­stunden – in einer Wasser­fon­täne aus. Wer den nächsten Ausbruch nicht verpassen will, kann diesen über einen Online-Zähler auf der städ­ti­schen Website verfolgen.

Der Rhein mit seinen Auen

Wer Ruhe und Natur sucht, findet sie in den weit­läu­figen Rhein­auen und Grün­an­lagen entlang des Flusses. Spazier- und Radwege führen durch offene Wiesen­land­schaften, vorbei an alten Bäumen und immer wieder mit weitem Blick auf den Rhein.

Beson­ders beliebt ist der Land­schafts­park Rhein­bogen am Fuße der Altstadt. Auf den groß­zü­gigen Grün­flä­chen verbinden sich Natur, Frei­zeit und Kunst auf harmo­ni­sche Weise. Neben Spazier­wegen, Aufent­halts­be­rei­chen und dem Natur­er­leb­nis­pfad finden sich hier auch verschie­dene Kunst­werke und Skulp­turen. Dazu zählt die Instal­la­tion „Fluss­zei­chen“ der Künst­lerin Inge Welsch, die sich dezent in die Land­schaft einfügt und den Bezug zum Rhein künst­le­risch aufgreift.

Ein weiterer ruhiger Rück­zugsort ist der Mari­en­park mit seinen alten Bäumen und heimi­schen Sträu­chern. Gerade an warmen Tagen wird hier spürbar, wie eng Monheim mit dem Rhein und seinen Auen verbunden ist – als Natur­raum, Erho­lungs­ge­biet und prägender Teil der Stadt­land­schaft.

Blick auf den Rhein vom Landschaftspark Rheinbogen bei Monheim
Blick auf den Rhein vom Land­schafts­park Rhein­bogen aus
Wegweiser mit St. Gereon von Monheim im Hintergrund
Wegweiser mit St. Gereon
Wege entlang des Rheins bei Monheim
Wege entlang des Rheins bei Monheim
Rheinpromenade mit der Kirchturmspitze der Marienkapelle von Monheim im Hintergrund
Rhein­pro­me­nade mit der Kirch­turm­spitze der Mari­en­ka­pelle im Hinter­grund

Wer den Rhein weiter Rich­tung Düssel­dorf entlang­wan­dert, stößt auf die histo­ri­sche Fiat Voluntas – einen ehema­ligen Aalschokker, der heute das Aalfi­scherei-Museum beher­bergt. Dort erfahren Besu­cher anschau­lich und inter­aktiv, wie die Rhein­fi­scher früher lebten und arbei­teten.
Hinweis: Da das Museum aktuell wegen Bauar­beiten geschlossen ist, empfiehlt sich vorab ein Blick auf die aktu­ellen Öffnungs­zeiten.

Aalschokker, in dem sich das Aalfischerei-Museum befindet
Baustelle mit dem Aalschokker

Eine Stadt voller Geschichten

Stadtwappen von Monheim - mit der Gänseliesel und Gans

Monheim ist eine Stadt, die von ihren Geschichten lebt. Allen voran steht natür­lich die Gänse­liesel, die nicht nur im Stadt­wappen erscheint, sondern auch an vielen Orten im Stadt­bild präsent ist. Sie ist längst mehr als eine Figur aus vergan­genen Zeiten: Sie verkör­pert die Iden­tität Monheims, die Verbun­den­heit mit dem Rhein, den Humor der Menschen und die Tradi­tionen, die hier bis heute gepflegt werden. Auch die Gänse selbst – ob als Kunst­werk, Symbol oder leben­dige Begleiter am Rhein­ufer – gehören fest zu diesem Bild.

Aber es gibt auch noch eine andere faszi­nie­rende Gestalt, die die Geschichte von Monheim geprägt hat – der fröh­liche und geige­spie­lende Musi­kant. Manchmal ist er sogar zusammen mit der Gänse­liesel abge­bildet.

Was es mit diesem lustigen Spiel­mann auf sich hat und welche geheim­nis­volle Sage ihn mit der Stadt verbindet, das erfährst du in unserem Beitrag zur Sage vom lustigen Spiel­mann.

Bereit zur Tour: Leihfahrräder in Monheim
Bereit zur Tour: Leih­fahr­räder
Blick auf den Rhein in Monheim
Blick auf den Rhein
Ausruhen nach einer langen Tour:  die Gänsebänke in Monheim
Bänke — auch hier gibt es Gänse

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