Happy End im Mittelalter?

Unweit der Stadt Kaub befindet sich auf einer Felseninsel mitten im Rhein die Burg Pfalzgrafenstein.

Kennst du die Sage, die sich um diese Burg rankt? Es ist selbst eine Geschichte mit Happy End! Das ist für eine Sage aus dem Mittelalter nicht sehr gewöhnlich.

Die Sage zur Burg Pfalzgrafenstein

Mitte des 12. Jahrhunderts setzte Barbarossa seinen Halbbruder Konrad von Staufen als Pfalzgrafen bei Rhein ein. Dieser hatte zu seinem Bedauern keine männlichen Nachkommen, dafür jedoch eine Tochter, die er sehr verehrte. Das Mädchen hieß Agnes und war mit großer Anmut und Schönheit gesegnet. Viele Fürsten, Herzöge und sogar Könige hielten um ihre Hand an. Der Pfalzgraf selbst versuchte vergeblich, sie mit einem Ehrenmann von guter Herkunft aus der eigenen Familie oder mit wohlgesinnten Gefährten zu verheiraten.

So geschah es, dass auch Heinrich von Braunschweig von der liebreizenden Schönheit hörte. Obwohl der Herzog aus der Linie der Welfen stammte, die mit den Staufern unerbittlich verfeindet waren, siegten seine Neugierde und seine jugendliche Abenteuerlust. Kurz entschlossen begab er sich an den Rhein, um sich von dem Gehörten selbst zu überzeugen.

Schon bei der ersten Begegnung von Agnes und Heinrich, die natürlich vor dem Pfalzgrafen streng geheim gehalten werden musste, verliebten sich die beiden Hals über Kopf ineinander. Als der alte Graf schließlich von dem Verhältnis erfuhr, war er außer sich vor Wut. Dabei spielte es keine Rolle, dass der junge Herzog ein standesgemäßer Ehemann mit tadellosem Leumund gewesen wäre. Denn Heinrichs Heldenmut und Ritterlichkeit wurden weit über die Grenzen seines Landes hinaus gerühmt.

Pfalzgrafenstein oder kurz Pfalz bei Kaub am Rhein bei Drachenwolke Geschichten und Sagen, Legenden und Infos rund um den Rhein

Der Pfalzgraf versuchte mit allen Mitteln, die Liebenden zu entzweien. So ließ er bei Kaub auf einem Felsen mitten im Rhein eine Burg errichten, um zu verhindern, dass sich die beiden weiterhin sehen konnten.

Agnes war in ihrem neuen Heim todunglücklich. Nach einiger Zeit konnte die Gräfin das Leid ihres Kindes nicht mehr mehr mit ansehen. Sie arrangierte eine Möglichkeit, dass Agnes und Heinrich sich auf der Burg ungestört treffen konnten.

Diese Zusammenkunft blieb jedoch nicht ohne Folgen. So hatte die Pfalzgräfin keine andere Wahl, als ihrem Mann alles zu gestehen. Der Zorn des Hintergangenen war natürlich riesig. Doch nach seinem Wutausbruch musste er einsehen, dass eine Heirat die einzige Möglichkeit war, die Schande von der Familie abzuwenden.

Der Pfalzgraf machte sich darum unverzüglich auf den Weg nach Speyer, wo sich zu dieser Zeit Kaiser Barbarossa aufhielt. Er schilderte dem Kaiser seine missliche Lage. Dieser schwieg zunächst und sah den Pfalzgrafen dann ernst an. War Barbarossa im ersten Moment auch nicht sehr erfreut, so überlegte er doch schnell und fand die Idee schließlich gar nicht so schlecht. „Hervorragend,“, antwortete er zur großen Verwunderung des Pfalzgrafen, „das ist doch eine ganz gute Sache! So könnte der alte Hass und der Streit zwischen den Staufern und Welfen endlich beigelegt werden“. Er fügte aber auch hinzu, dass er die Nachfahren aus dieser Verbindung nur anerkennen könne, wenn ihm eine offizielle Heiratsurkund vorlegt werden würde.

Enttäuscht machte sich der Pfalzgraf auf den Heimweg. Zu Hause erzählte er niedergeschlagen alles seiner Frau. Diese überlegte kurz und hatte eine Idee. Geistesgegenwärtig fragte sie ihren Ehegemahl empört, ob er wirklich glaube, dass sie die Liebenden allein gelassen hätte, wenn der Bund nicht von einem Priester gesegnet worden wäre? Der Pfalzgraf war erstaunt, widersprach aber nicht.

Ohne Zeit zu verlieren, ließ die Gräfin sofort eine Trauakte anfertigen und ihrem Gemahl zukommen. Als dieser sie in den Händen hielt, war er ungemein erleichtert. Ohne Zeit zu verlieren, sandte der Pfalzgraf die Urkunde weiter an den Kaiser.

Dem jungen Glück stand nun nichts mehr im Wege. Zu Ehren von Agnes und Heinrich wurde ein großes Hochzeitsbankett ausgerichtet. Das Fest, das die Liebe von Agnes und Heinrich besiegelte, dauerte mehrere Tage an. Die beiden wurden sehr glücklich miteinander. Außerdem war die jahrhundertealte Fehde zwischen den Staufern und den Welfen nun für immer beendet.

Nacherzählt und gelesen bei P. H. Jones in „Sagen und Mythen – Rheinland und Pfalz“


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