Rembrandt und der Geizkragen

Sage Rembrandt in de aap / zum Affen bei Drachenwolke Geschichten

Selbstporträt Rembrandt 1659

Rembrandt erhielt einst den Auftrag, ein Porträt von einem Mann anzufertigen, der in der Stadt für seinen Reichtum und seinen Geiz gleichermaßen bekannt war.

Unmittelbar nach der Fertigstellung des Gemäldes begonnen die Probleme. Obwohl alles genau besprochen war, war dem Auftraggeber plötzlich der Preis für das Porträt viel zu hoch. Nach einigem hin und her, weigerte der Mann sich sogar gänzlich, das Bild zu bezahlen. Er behauptete, dass das Porträt ihm in keiner Weise ähnelte und die geforderte Summe deshalb in keinem Verhältnis zu dem erbrachten Resultat stand.

Rembrandt fühlte sich zutiefst gekränkt und entgegnete trotzig: “Nun, dann nehmt Ihr es eben nicht! Ich werde schon eine andere Bestimmung dafür finden!“. Wie gesagt, so getan!

Damals befand sich in der Amsterdamer Jodenbreestraat, genau gegenüber Rembrandts Wohnhaus, eine Herberge mit dem Namen „In de aap“, was wörtlich so viel wie „Im Affen“ oder „Zum Affen“ bedeutet. Mit dem Porträt unter seinem Arm geklemmt machte sich der Meister auf den Weg zu der Herberge. Er fragte den Wirt, ob er sein Bild zeitweise als Aushängeschild über der Tür befestigen dürfte.

Der Wirt war zuerst erstaunt und fragte nach dem Grund. Als er die Geschichte hörte, gab er lachend sein Einverständnis. Noch am selben Nachmittag hing das Bild zusammen mit der Aufschrift „Zum Affen“ über dem Eingang.

Schon nach kurzer Zeit versammelten sich ein paar Leute vor der Herberge. Sie zeigten lachend auf das neue Schild und machten ihre Späße. Da die Ähnlichkeit mit dem Geizkragen so offensichtlich war, war die Schadenfreude natürlich sehr groß.

Wie der Zufall es wollte, kam an diesem Nachmittag auch der geizige Mann an der Herberge vorbei. Als er nach oben schaute und zu seinem Entsetzen sein eigenes Porträt sah, schäumte er vor Wut. Umgehend suchte er Rembrandt auf und verlangte von ihm, sein Bild sofort auszuhändigen. Als Rembrandt sich im ersten Moment weigerte, war er nun bereit, den Preis zu zahlen, welcher vor der Fertigstellung abgesprochen war.

„Ja mein Herr, das wäre schon möglich“, antwortete Rembrandt schelmisch und fügte hinzu: „aber der Wirt hat das Bild von mir erhalten und sein altes Aushängeschild verbrannt. Da er jetzt ohne Schild dastehen würde, benötigt er natürlich ein Neues.“

Der Geizhals konnte noch so toben, wie er wollte, Rembrandt blieb gelassen und hielt an seinem Vorschlag fest. Letztendlich bezahlte der Mann den geforderten Preis für sein Porträt und zusätzlich für das neue Aushängeschild der Herberge.

Rembrandts Wohnhaus in Amsterdam bei Geschichten und Sagen bei der Drachenwolke

Rembrandts Wohnhaus in Amsterdam

PS: „In de aap“ hat im Niederländischen noch eine ganz andere Bedeutung. Wenn man „in de aap gelogeerd“ (wörtlich: im Affen gewohnt hat), dann sitzt man in der Klemme oder echt in Schwierigkeiten.

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