Als es in Köln noch die Heinzelmännchen gab …

 

Die Geschichte kurz erzählt

In früheren Zeiten hatten die Handwerksleute in Köln es wirklich gut. Während sie nachts schliefen, kamen die kleinen, fleißigen Gesellen und erledigten die ganze Arbeit. Deshalb konnten die Menschen auch tagsüber entspannt und ruhig leben, ohne jedoch Hunger zu leiden oder auf Annehmlichkeiten zu verzichten. Sogar der Bau des Kölner Doms ging gut voran, auch wenn sich die Arbeiter den ganzen Tag ausruhten und auf den weichen Spänen schliefen.

Die Heinzelmännchen waren wirklich ein Segen für die Menschen! Dabei gab es nur eine Bedingung, die die kleinen Arbeiter stellten. Sie wollten nicht gesehen werden und ihren Tätigkeiten unbehelligt verrichten können.Sage Heinzelmännchen von Köln

Natürlich waren die Menschen neugierig, wie die kleinen Helfer aussahen und wie sie die Arbeit in so kurzer Zeit so gut schafften. Doch um das gute Leben weiter genießen zu können, konnten sie ihre Neugierde in Zaum halten. Bis auf eine! Die Frau des Schneidermeisters war so neugierig, dass sie eines Abends Erbsen auf dem Boden der Schneiderwerkstatt ausstreute. Und ihr Plan ging auf!  Als die Heinzelmännchen kamen rutschen sie aus und purzelten mit großem Gepolter übereinander. Durch den Lärm aufgeweckt, sprang die Frau des Schneiders schnell aus dem Bett und beeilte sich nachzusehen. Doch sie war nicht schnell genug und die fleißigen Helfer schon weg – und sie kamen auch nie mehr zurück. Als die Heinzelmännchen nicht mehr kamen, mussten die Kölner ihre Arbeit wieder selbst verrichten. Es wird gesagt, dass dies auch der Grund ist, warum am Dom zu Köln die kommenden 300 Jahre nicht mehr weitergebaut wurde.

 

Das Orginal: Die Heinzelmännchen
von August Kopisch (1836)

Wie war zu Cölln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
eh‘ man es gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften
und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten
und eh ein Faulpelz noch erwacht,
war all‘ sein Tagewerk bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
hin auf die Spän‘ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
und sah, was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg‘ in Eil,
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten
und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh sich’s der Zimmermann versah,
klapp, stand das ganze Haus schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
die Heinzelmännchen backten Brot,
die faulen Burschen legten sich,
die Heinzelmännchen regten sich
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben
und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor,
da rückte schon das Brot, das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell‘ und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl‘ im Wind.
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten,
die wühlten
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf –
wapp, hing die Wurst schon da zum Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer, bis er niedersank,
am hohlen Fasse schlief er ein.
Die Männlein sorgten um den Wein
und schwefelten fein
alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
mit Winden und Kloben
und schwenkten
und senkten
und gossen und panschten
und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
war schon der Wein geschönt und fein gemacht.

Einst hatt‘ ein Schneider große Pein,
der Staatsrock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
in den Schneidertisch;
da schnitten und rückten
und nähten und stickten
und fassten
und passten
und strichen und guckten
und zupften und ruckten
und eh mein Schneiderlein erwacht,
war Bürgermeisters Rock bereits gemacht.

Neugierig war des Schneiders Weib,
und macht sich diesen Zeitvertreib:
streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
eins fährt nun aus,
schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen,
die plumpen in Kufen,
die fallen
mit Schallen,
die lärmen und schreien,
und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch, husch, husch, husch – verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh‘n,
man muss nun alles selber tun!
Ein jeder muss fein
selbst fleißig sein,
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schniegeln
und biegeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär‘!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

Quelle: de.wikisource.org; Die Heinzelmännchen von August Kopisch, Dunker und Humblot Verlag

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