Die Sage vom Mäuseturm

 

Der Erzbischof Hatto von Mainz war während seiner Regierungszeit sehr darauf bedacht, seinen Wohlstand zu erhöhen und Reichtümer anzuhäufen. Deshalb ließ er auch einen Turm auf der kleinen Insel mitten im Rhein bei Mainz bauen, um von den Schiffern Wegezoll für ihre Weiterfahrt zu fordern.

Der Legende nach wurde auch zu jener Zeit das Gebiet von einer schlimmen Hungersnot heimgesucht, da die Ernten sehr schlecht ausgefallen waren. Viele Menschen starben, da sie nicht genug zum Essen hatten. Trotz dieses Elends weigerte Hatto sich hartnäckig, Getreide aus seinen gefüllten Kornkammern an die leidende Bevölkerung auszuteilen. Als die Situation immer schlimmer wurde, kam eine Gruppe von Bauern nach Mainz, um endlich Korn für die Hungernden zu fordern.

Da ersann Hatto einen Plan. Er schickte die Bauern zu einer der Kornscheunen mit dem Versprechen, dass sie sich vom Getreide etwas nehmen durften. Als die Menschen sich im Inneren befanden, ließ er die Tore verbarrikadieren und die Scheune anzünden. Es gab kein Entrinnen mehr aus dieser tödlichen Falle. Die Menschen jammerten und wimmerten, als sie verbrannten. Doch der Bischof rief nur höhnisch „Hört, hört, wie die Kornmäuslein pfeifen?“ und wartete tatenlos, bis alles in Schutt und Asche lag.

Maus bei Sage vom Mäuseturm bei Drachenwolke GeschichtenDoch als die Scheune niedergebrannt war, kamen plötzlich tausende Mäuse, die den Erzbischof bis zu seinem Palast verfolgten. Dort fraßen sie alles auf, was sie finden konnten. In seiner Angst flüchtete Hatto auf sein Schiff und setzte auf die Insel mit dem Zollwachturm über. Er dachte, dass er hier in Sicherheit war und die Mäuse ihm über das Wasser nicht folgen konnten.

Aber da hatte er sich geirrt! Die klugen Nagetiere fanden schnell Wege, um auf die Insel zu gelangen. Als sie dort waren, fraßen sie den Bischof auf.

Seit dieser Zeit wird der Zollturm bei Bingen Mäuseturm genannt.

 

 

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