Die Sage vom Mäuseturm

Der Erzbischof Hatto von Mainz war während seiner Regierungszeit sehr darauf bedacht, seinen Wohlstand zu fördern und Reichtümer anzuhäufen. Deshalb ließ er auch einen Turm auf einer kleinen Insel mitten im Rhein bei Mainz bauen, um von den Schiffern Wegezoll für ihre Weiterfahrt zu fordern.

Den Überlieferungen nach wurde zu jener Zeit das Gebiet von einer schlimmen Hungersnot heimgesucht, da die Ernten sehr schlecht ausgefallen waren. Viele Menschen starben, weil sie nicht genug zum Essen hatten. Trotz dieses Elends weigerte Hatto sich hartnäckig, Getreide aus seinen gefüllten Kornkammern an die leidende Bevölkerung auszuteilen. Als die Situation immer schlimmer wurde, kam eine Gruppe von Bauern nach Mainz, um endlich Korn für die Hungernden zu fordern.

Da ersann Hatto einen Plan. Er schickte die Bauern zu einer seiner Kornscheunen mit dem Versprechen, dass sie sich vom Getreide etwas nehmen durften. Als die Menschen sich im Inneren befanden, ließ er die Tore verbarrikadieren und die Scheune anzünden. Aus dieser tödlichen Falle gab es kein Entrinnen! Die Menschen jammerten und wimmerten, als sie verbrannten. Doch der Bischof rief nur höhnisch „Hört, hört, wie die Kornmäuslein pfeifen?“ und wartete tatenlos, bis alles in Schutt und Asche lag.

Maus bei Sage vom Mäuseturm bei Drachenwolke GeschichtenAls die Scheune niedergebrannt war, kamen plötzlich tausende Mäuse, die den flüchtenden Erzbischof bis zu seinem Palast verfolgten. Dort fraßen sie alles auf, was sie finden konnten. In seiner Angst floh Hatto auf sein Schiff und setzte auf die Insel mit dem Zollwachturm über. Er dachte, dass er hier in Sicherheit war und die Mäuse ihm über das Wasser nicht folgen konnten.

Aber da hatte er sich geirrt! Die klugen Nagetiere fanden schnell Wege, um auf die Insel zu gelangen. Als sie dort waren, fraßen sie den Bischof auf.

Seit dieser Zeit wird der Zollturm bei Bingen Mäuseturm genannt.
Gedicht „Der Mäuseturm“ von August Kopisch

Ballade „Bischof Hatto“ von Heinrich Kämpchen

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Kommentare

Mäuseturm bei Bingen — 2 Kommentare

  1. Hallo Chris,

    Meinst du vielleicht das Gedicht von August Kopisch:

    Der Mäuseturm

    Am Mäuseturm um Mitternacht,
    Des Bischofs Hatto Geist erwacht:
    Er flieht um die Zinnen im Höllenschein,
    Und glühende Mäuslein hinter ihm drein!

    Der Hungrigen hast du, Hatto, gelacht,
    Die Scheuer Gottes zur Hölle gemacht.
    Drum ward jedes Körnlein im Speicher dein
    Verkehrt in ein nagendes Mäuselein.

    Du flohst auf den Rhein in den Inselturm,
    Doch hinter dir rauschte der Mäusesturm.
    Du schlossest den Turm mit eherner Tür,
    Sie nagten den Stein und drangen herfür.

    Sie fraßen die Speise, die Lagerstatt,
    Sie fraßen den Tisch dir und wurden nicht satt!
    Sie fraßen dich selber zu aller Graus,
    Und nagen den Namen dein überall aus.

    Fern rudern die Schiffer um Mitternacht,
    Wenn schwirrend dein irrender Geist erwacht;
    Er flieht um die Zinnen im Höllenschein,
    Und glühende Mäuslein hinter ihm drein.

    Gefunden habe ich es auf http://www.gedichtsuche.de.

    Grüße, Mia

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