Auch im Herbst ist Amsterdam sicher einen Besuch wert. Zugegeben, nicht weit von der Nordseeküste entfernt kann es auch hier ungemütlich kalt und nass werden. Aber es gibt jede Menge alternativer Möglichkeiten, allen voran die zahlreichen Museen und die gemütlichen Cafés.
Bei meinem Kurzbesuch in diesem Herbst hatte ich jedoch Glück und für diese Jahreszeit noch herrliches Wetter. Deshalb beschloss ich einen Ausflug zu den Wallen, dem ältesten Rotlichtviertel Europas, und seiner Kirche zu machen.
Alle diejenigen, die jetzt spannende Geschichten aus dem Milieu erwarten, muss ich leider enttäuschen. Wer tagsüber die Wallen entlang geht, sieht kaum einen Unterschied zu anderen Grachtenstraßen in der Altstadt. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Fenster der Frauen zu erkennen, die dann in der Dunkelheit beleuchtet sind. Dafür reihen sich jedoch an beiden Grachtenseiten alternative Boutiquen, Szenecafés und Bars sowie kleine Galerien aneinander, die zum Bummeln einladen.
Mitten im Viertel befindet sich auch die älteste Kirche Amsterdams. Um 1250 wurde an dieser Stelle mit dem Bau einer hölzernen Kapelle begonnen. Die eindrucksvolle Hallenkirche, wie wir sie noch heute bewundern können, entstand im Jahre 1570. Bereits 1306 wurde das Gotteshaus dem Heiligen Nikolaus geweiht, der unter anderem Schutzheiliger der Seeleute und Prostituierten ist. Als im 15. Jahrhundert die Nieuwe Kerk, die Neue Kirche, auf dem Dam gebaut wurde, wurde die St. Nikolauskirche im Volksmund schnell zur Alten Kirche.
Die Oude Kerk erfüllte im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Funktionen. So fanden hier Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten statt. Neben diesen Aufgaben war die Kirche aber auch über die Jahrhunderte hinweg ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt. In neuerer Zeit ist sie zudem ein Ort für darstellende Künstler und Musiker geworden.
Durch die Nutzung der Kirche als Begräbnisstätte finden sich auf ihrem Boden verschiedene Grabsteine bekannter Niederländer. Vom 13. bis zum 19. Jahrhundert wurden hier etwa 60.000 Menschen unter mehr als 2.000 Grabsteinen beigesetzt. So auch Saskia Uylenburgh, die erste Frau von Rembrandt van Rijn. Jahre zuvor hatten die beiden im Spiegelzimmer der Kirche ihre Eheurkunde unterzeichnet, die Hochzeitsfeierlichkeiten hatten jedoch zuvor in Friesland stattgefunden.
Die Oude Kerk ist ein Beispiel der holländischen Gotik. Sie zeichnet sich durch hohe Spitzbogenfenster und ein Kreuzrippengewölbe aus. Die spätgotischen Kirchenbänke zeigen verschiedene weltliche Szenen oder geben niederländische Sprichwörter bildlich wieder.
Die monumentale Orgel der Kirche ist eine der ältesten am besten erhaltenen Orgeln der Welt. Sie wurde 1724 von dem Orgelbauer Christian Vater erbaut, musste aber schon kurz darauf wegen Gebäudeschäden wieder demontiert werden. 1742 wurde sie von Casper Müller erneut aufgestellt und trägt seitdem seinen Namen.
Die bemalte Holzdecke stammt aus dem 16. Jahrhundert. Während der Reformation wurde sie mehrmals übermalt, konnte aber 1950 wieder freigelegt und restauriert werden. So können heute noch die ursprünglichen biblischen Szenen und die Wappen der Amsterdamer Familien und Zünfte bewundert werden.
In der Oude Kerk sind noch immer historische Räume zu besichtigen, die von der früheren Bedeutung der Kirche zeugen. Einer der eindrucksvollsten Zimmer der Kirche ist das Spiegelzimmer. Die mit Blattgold und Blattsilber bemalte Wandbespannung des Raumes stammt aus der Zeit um 1760/70, ebenso wie die Holzschnitzereien mit Muschelmotiv und der Spiegel mit Goldrahmen.
Interessant ist auch die geheime Kammer im Seitentrakt der Kirche.
In einer Höhe von 5 Metern befindet sich eine eiserne Tür in der Wand. Diese Tür kann nicht über die Wendeltreppe erreicht werden. Die einzige Möglichkeit dorthin zu gelangen, ist der Aufstieg über eine Leiter. Doch das ist nicht das einzige Hindernis, das es zu überwinden gilt. Denn man braucht zudem 4 Schlüssel, um die Tür zu öffnen. Und hinter dieser Tür ist noch eine zweite aus dickem Eichenholz. Die Kammer durfte nie allein betreten werden, sondern nur in Begleitung.
Man fragt sich natürlich, welches Geheimnis sich dahinter verbirgt.
Die Kammer, die sich hinter dieser Tür verbirgt, heißt Ijzeren Kapel, die Eiserne Kapelle. Jahrhundertelang war sie sogar der wichtigste Raum in ganz Amsterdam. Von 1515 bis 1892 wurden hier nämlich die wichtigsten Dokumente der Stadt aufbewahrt. Das bedeutendste Dokument war sicher das Zollprivileg von 1275, das der Stadt Amsterdam die Zollfreiheit gewährte. Dieses Privileg war zugleich einer der Grundsteine für den Reichtum Amsterdams als blühende Handelsstadt.
Wenn du mehr über Amsterdam als nur die Alte Kirche und die Wallen erfahren möchtest, schau doch einfach bei dem Beitrag zu Amsterdam hier auf der Webseite vorbei.
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