von August Kopisch (1836)

Wie war zu Cölln es doch vordem
mit Hein­zel­männ­chen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
eh’ man es gedacht,
die Männ­lein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften
und zupften
und hüpften und trabten
und putzten und schabten
und eh ein Faul­pelz noch erwacht,
war all’ sein Tage­werk bereits gemacht!

Die Zimmer­leute streckten sich
hin auf die Spän‘ und reckten sich.
Indessen kam die Geis­ter­schar
und sah, was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
und die Säg‘ in Eil,
sie sägten und stachen
und hieben und brachen,
berappten
und kappten,
visierten wie Falken
und setzten die Balken.
Eh sich’s der Zimmer­mann versah,
klapp, stand das ganze Haus schon fertig da!

Beim Bäcker­meister war nicht Not,
die Hein­zel­männ­chen backten Brot,
die faulen Burschen legten sich,
die Hein­zel­männ­chen regten sich
und ächzten daher
mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
und wogen es richtig
und hoben
und schoben
und fegten und backten
und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor,
da rückte schon das Brot, das neue, vor!

Beim Flei­scher ging es just so zu:
Gesell‘ und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männ­lein her
und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
wie die Mühl’ im Wind.
Die klappten mit Beilen,
die schnitzten an Speilen,
die spülten,
die wühlten
und mengten und mischten
und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf -
wapp, hing die Wurst schon da zum Ausver­kauf!

Beim Schenken war es so: es trank
der Küfer, bis er nieder­sank,
am hohlen Fasse schlief er ein.
Die Männ­lein sorgten um den Wein
und schwe­felten fein
alle Fässer ein.
Und rollten und hoben
mit Winden und Kloben
und schwenkten
und senkten
und gossen und panschten
und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
war schon der Wein geschönt und fein gemacht.

Einst hatt‘ ein Schneider große Pein,
der Staats­rock sollte fertig sein;
warf hin das Zeug und legte sich
hin auf das Ohr und pflegte sich.
Da schlüpften sie frisch
in den Schnei­der­tisch;
da schnitten und rückten
und nähten und stickten
und fassten
und passten
und stri­chen und guckten
und zupften und ruckten
und eh mein Schnei­der­lein erwacht,
war Bürger­meis­ters Rock bereits gemacht.

Neugierig war des Schnei­ders Weib,
und macht sich diesen Zeit­ver­treib:
streut Erbsen hin die andre Nacht.
Die Hein­zel­männ­chen kommen sacht:
eins fährt nun aus,
schlägt hin im Haus,
die gleiten von Stufen,
die plumpen in Kufen,
die fallen
mit Schallen,
die lärmen und schreien,
und verma­led­eien!
Sie springt hinunter auf den Schall
mit Licht: husch, husch, husch, husch — verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort,
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruh‘n,
man muss nun alles selber tun!
Ein jeder muss fein
selbst fleißig sein,
und kratzen und schaben
und rennen und traben
und schnie­geln
und biegeln
und klopfen und hacken
und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär’!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!


Quelle: de.wikisource.org; Die Hein­zel­männ­chen von August Kopisch, Dunker und Humblot Verlag


Zur Sage über die Hein­zel­männ­chen