
Zutphen – die charmante Türmestadt an der IJssel – gehört vielleicht nicht zu den bekanntesten, aber zu den ältesten und zugleich sehenswertesten Städten der Niederlande. Schlendert man durch ihre Straßen, spürt man sofort die Geschichte, die in den alten Mauern steckt. Als einstige Hansestadt spielte Zutphen eine bedeutende Rolle im Rheinhandel: Getreide, Bier, Wolle und Salz brachten Reichtum und Einfluss. Dieser Wohlstand machte die Stadt zu einem wichtigen politischen Zentrum der Grafschaft Geldern – und sein Erbe ist bis heute unverkennbar.
Besonders prägend für das Stadtbild sind die vielen Türme, die schon von weitem ins Auge fallen. Sie stehen ungewöhnlich dicht beieinanderstehen und verleihen Zutphen seine charakteristische Silhouette, der die Stadt ihren Beinamen „Türmestadt“ verdankt. Wer Zutphen besucht, sollte sich Zeit nehmen, die Altstadt mit ihren Türmen und historischen Gassen auf einem gemütlichen Spaziergang zu entdecken.
Walburgiskerk und Librije
Die St. Walburgiskirche ist das Herzstück der Altstadt. Ihr Ursprung reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Ursprünglich eine romanische Kirche, wurde sie im 13. Jahrhundert um gotische Elemente erweitert und schließlich zu einer beeindruckenden Hallenkirche im Stil der niederrheinischen Gotik ausgebaut.



Besonders sehenswert ist die Librije, die sich in der Kirche befindet. Sie ist eine der nur noch drei erhaltenen Kettenbibliotheken aus dem Mittelalter in Europa. Hier sind rund 750 Folianten aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt – das Besondere: Die Bücher sind mit Eisenketten an den Lesepulten gesichert, um Diebstahl zu verhindern. Ein faszinierendes Zeugnis mittelalterlicher Buchkultur.



Wijnhuistoren

Dieser markante Turm im Zentrum war ursprünglich Teil des alten Weinhauses, das auch als Herberge und Stadtwache diente. Er ist besonders bekannt für sein Glockenspiel (Carillon). Von der Stiftung „Vrienden van het Carillon“ (Freunden des Glockenspiels) werden in den Sommermonaten regelmäßig Konzerte organisiert.

Drogenapstoren
Der wuchtige Backsteinturm aus dem Jahr 1444 diente einst als Stadttor und später als Wasserreservoir. Seinen Namen verdankt er dem Stadtmusikanten Tonis Drogenap, der hier Mitte des 16. Jahrhunderts wohnte.
Bourgonjetoren
Der Bourgonjetoren, ein Wehrturm aus dem Jahr 1457, wurde während der Geldrisch-Burgundischen Kriege erbaut. Seine fast vier Meter dicken Mauern beeindrucken bis heute. Im 18. Jahrhundert schrieb hier der Geistliche Johannes Florentius Martinet seinen berühmten „Katechismus der Natur“.
Broederenkerk

Die Broederenkerk ist eine imposante Klosterkirche der Dominikaner aus dem frühen 14. Jahrhundert. Seit 1983 beherbergt sie die öffentliche Bibliothek von Zutphen. Im kleinen Dachreitertürmchen hängt noch immer das alte Poortersklokje, das stets noch jeden Abend zwischen 21:50 und 22:00 Uhr läutet – einst das Zeichen, dass die Stadttore geschlossen werden müssen.

Aber nicht nur Türme – was noch sehenswert ist
Berkelpoort

Das Berkelpoort ist ein eindrucksvoll erhaltenes Wassertor der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert, das einst der Verteidigung Zutphens diente. Im Falle eines Angriffs wurden die Brückengewölbe mittels Fallgittern verschlossen. War der Durchgang versperrt, konnten Angreifer von vorspringenden Balken aus mit Steinen und glühendem Pech bekämpft werden.
Das Tor überspannt den kleinen Fluss Berkel und verbindet heute den historischen Stadtkern mit der Nieuwstad (Neustadt).

Tipp:
Gleich in der Nähe des Berkelpoort werden Bootstouren auf der Berkel angeboten. Zwischen April und Oktober kann zu festen Zeiten eine entspannte Rundfahrt durch die historischen Grachten Zutphens mit einem Flüsterboot unternommen werden.
Hofjes

Sehenswert sind auch die Hofjes der Stadt. Diese typisch niederländische Form kleiner, ummauerter Wohnanlagen diente früher als Zuhause für bedürftige Menschen, die dort in einer Gemeinschaft leben konnten.
Der Oude Bornhof ist nicht nur das älteste, sondern auch das bekannteste Hofje in Zutphen. Es wurde um 1320 vom Kanonikus Borro gegründet und bot ursprünglich mittellosen älteren Menschen eine Unterkunft, um ein würdevolles Leben im Alter führen konnten. Diese Aufgabe erfüllte es bis 1960, als den damaligen Bewohnern ein neuer Komplex zugewiesen wurde.

Bult van Ketjen
Auf dem Bult van Ketjen erinnert heute eine Kanone symbolisch an Zutphens frühere Festungszeit. Sie steht an der Stelle eines alten Verteidigungsbollwerks mit Blick über die IJssel und wurde 2018 aufgestellt. Das Geschütz ist kein Original, sondern eine historische Nachbildung, die an die strategische Bedeutung Zutphens als befestigte Hansestadt erinnert – ein kleiner, aber eindrucksvoller Akzent entlang der IJsselpromenade.

Museen
Im prächtigen Stadtpalais Hof van Heeckeren, gegenüber der Walburgiskirche, befinden sich die Musea Zutphen: das Stedelijk Museum Zutphen mit Ausstellungen zur Stadtgeschichte, Kunst und Kultur sowie das Museum Henriette Polak, das sich der modernen niederländischen Kunst widmet.





Ein ganz eigenes Kapitel schreibt das Museum Boer Kip. Es widmet sich dem Bauern Herman „Boer“ Kip, der in seinen letzten Lebensjahren Alltagsgegenstände seines Hofes kunstvoll bemalte. Der Bauernhof ist ein charmantes Beispiel für Naive Kunst, und wie Kreativität und Landleben sich auf unerwartete Weise verbinden können.
Die IJsselpromenade


Ein Spaziergang entlang der IJsselpromenade ist ein Muss für alle, die Zutphen besuchen. Vom kleinen Hafen aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Fluss und die Silhouette der Stadt – besonders bei Sonnenuntergang.

Warum sich ein Besuch lohnt

Zutphen zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie reich und vielschichtig die Geschichte niederländischer Hansestädte ist. Zwischen mittelalterlicher Architektur, lebendigen Museen und der idyllischen Lage an der IJssel bietet die Stadt eine außergewöhnliche Mischung aus Kultur, Geschichte und entspannter Atmosphäre. Ob auf einem Spaziergang durch die Altstadt, beim Blick von der Promenade oder beim Besuch eines der Türme – Zutphen lädt dazu ein, Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen zu entdecken.

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