Eine Pause mit Hindernissen

Am frühen Nachmittag taten den beiden alle sechs Beine weh. Sie waren müde und erschöpft. Aber ganz automatisch liefen und liefen sie weiter.

An einer Weide, die von Wassergräben eingeschlossen war, machten sie Rast. Anouk merkte erst jetzt, was für einen furchtbaren Durst sie hatte. Das vor ihr liegende Wasser sah deshalb mehr als verlockend aus. Ungeachtet der steilen Böschung setzte Anouk vorsichtig einen kleinen Schritt nach dem anderen und probierte so, das kostbare Nass zu erreichen. Becky saß am Wegrand, kaute an ihrer Stulle und beobachtete alles.

Inzwischen kam Anouk ihrem ersehnten Ziel langsam näher. Doch bemerkte sie nun noch ein anderes Problem. Die Böschung war nicht nur steil, zudem gab auch die Erde unter ihren Hufen immer mehr nach. Als sie am Wasser angelangt war, steckte sie bereits bis zum Bauch im Schlamm. Die erste Panik verflog schnell wieder, da sie nun endlich trinken konnte. Und was hatte sie für einen Durst! Es fühlte sich an, als ob sie tagelang durch die Wüste geirrt war!

Becky hatte für ihren Teil lange genug Pause gemacht. Da es nicht mehr weit war, wollte sie so schnell wie möglich wieder aufbrechen. Sie nahm das Seil, an dem Anouk angebunden war, und versuchte, die Kuh mit sich mitzuziehen. Doch Anouk bewegte sich nicht von der Stelle und blieb wie angewurzelt stehen, wobei sie ein ohrenbetäubendes „Muhhhhhhhh …“ hören ließ. Das ständige Ziehen nervte Anouk jedoch nach ein paar Momenten so sehr, dass sie letztendlich missmutig probierte rückwärts zu gehen, genau in die Richtung, aus der sie gekommen war. Aber sie kam nicht von der Stelle! Anouk steckte im Schlamm fest! Mit aller Kraft probierte sie es nochmals und klatschte mit einem lauten Knall auf ihr Hinterteil.

Becky war verzweifelt und sah keine Möglichkeit, ihre Kuh auf diese Weise wieder auf den Weg zu bekommen. Als es rückwärts nicht ging, dann musste sie Anouk von vorn aus dem Schlamm ziehen. Der Wassergraben war nicht tief und die andere Uferseite zudem flacher und der Boden dort fester.

Becky rutschte die Böschung hinab. Als sie wieder aufgestanden war, probierte sie wie ein Storch durch das Wasser zu schreiten. Leider blieb ihr Fuß an einer halb verrotteten Wurzel hängen und so klatschte sie selbst in die Schlammbrühe. Schimpfend krabbelte Becky an das andere Ufer. Völlig durchnässt, zerrte sie von hier aus, laut rufend Anouk zu sich. Die tat voller Panik alles, um endlich wieder richtig festes Land unter die Hufen zu bekommen. Das erste Stück schaffte sie nur mit einem großen Sprung, wobei der Schlamm nur so um sie spritzte.

Noch halb zitternd und völlig erschöpft, aber unendlich erleichtert, stand sie endlich auf der Weide mit festem Grund unter den Hufen. Becky und Anouk sahen alle beide schlimm aus! Becky war von oben bis unten mit Schlamm vollgespritzt und Anouk war bis zum Bauch braun eingefärbt. Die obere Hälfte ihres Körpers war mit Schlammspritzern übersät, die wie riesige Sommersprossen aussahen.

Selbst wenn Anouk sich noch mulmig fühlte, musste sie innerlich lachen, als sie Becky sah. Dabei ließ sie ein gedämpftes „Muhh…“ hören. Becky war ungemein froh, die Situation gemeistert zu haben. Sie lachte leise und zeigte mit dem Finger auf Anouk, als sie zu ihrer Kuh sagte: „Du müsstest dich mal sehen, wie du ausziehst! Wie ein Nilpferd!“. Anouk war sichtlich beleidigt. Becky glich auch mehr einer Erdkröte als einem adretten Mädchen.

Die beiden nahmen ihre verbliebenen Kräfte zusammen, um den letzten Abschnitt ihrer Reise zurückzulegen. Becky benutzte dabei lieber abgelegene Trampelpfade, um jedem größeren Zweibeiner aus dem Weg zu gehen. Sie wollte kein Risiko eingehen und unangenehme Fragen vermeiden,die die beiden noch in Probleme gebracht hätten. Außerdem schämte Becky sich, denn sie sahen beide einfach erbärmlich aus.

Anouk trottete willenlos hinter Becky her. Sie dachte an rein gar nichts. Sie probierte einfach nur, ihre müden Beine zu vergessen.

Anouk auf Reisen bei den Drachenwolke Geschichten

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