Eine Lösung muss her

 

Und jetzt?! Becky musste irgendetwas bedenken! Und das ganz schnell! Wie absurd! Alles kann sich von einem Moment zum anderen verändern. Sie dachte angestrengt nach, „Was sollte sie jetzt nur tun?“.

Da kam ihr eine Idee. „Was wäre, wenn ich gleich zusammen mit Anouk zur Oma gehe? Warum sollte ich erst anrufen? Wenn wir bei ihr vor der Tür stehen, würde sie alles verstehen. Sie würde dann selber sehen, was für eine kluge Kuh Anouk es ist.“, dachte Becky laut. Sie war von ihrer Idee hellauf begeistert. In der Zeit, die sie für die Reise benötigte, wäre ihre Großmutter längst aus dem Urlaub zurück. Zudem war ihre Großmutter Vegetarierin. Auch deshalb war sich Becky ganz sicher, dass sie für die ganze Aktion Verständnis hätte.

Becky war mehr als zufrieden. Jetzt konnte sie ihren Plan im Detail ausarbeiten. Der Gedanke „Ja, ich gehe mit Anouk zur Oma!“, geisterte die ganze Zeit durch ihren Kopf. Sie war aufgeregt und wusste im Beginn gar nicht so richtig, wo sie anfangen sollte. Warum war sie eigentlich nicht gleich darauf gekommen? Einfach zu dumm! Sie erinnerte sich an die Almwiesen mit den vielen Kühen in der Schweiz. Ja, Anouk würde es dort ganz bestimmt gefallen, davon war sie absolut überzeugt!

Anouk bekam von der ganzen Aufregung nicht viel mit. Sicher spürte sie, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Die Spannung lag ja fühlbar in der Luft. Doch hatte die kleine Kuh keine Ahnung, um was es sich dabei handelte. Sie stand träumend im Stall und schaute wehmütig durch die große Schiebetür nach draußen. Anouk wünschte sich auf die Weide. Da war ihr Trübsinn meistens sofort wie weggeblasen.

Becky hingegen arbeitete eifrig an ihrer Planung und den Vorbereitungen. „Da sind natürlich ein paar Probleme“, dachte sie, „aber nichts, was ich nicht lösen könnte!“. Was ihr am meisten Sorge bereitete waren ihren Eltern, die sicher mit ihrem Plan nicht einverstanden wären. Sie konnte sich schon ganz genau ihre Reaktionen vorstellen. Ihre Mutter würde ganz aufgeregt sein und puterrot anlaufen. Ihr Vater würde sich an die Stirn tippen und sagen „Du spinnst!“, sich umdrehen und weggehen. Er nahm solche Dinge nie richtig ernst, dafür war er zu bodenständig.

Das zweite Problem war die Organisation. Wie kommt ein Mädchen zusammen mit einer Kuh von den Niederlanden bis in die Schweiz? Es war gar nicht so einfach, wie es im ersten Moment geschienen hatte. Die allerschnellste Möglichkeit war das Flugzeug. Das war jedoch gleich auszuschließen. Nie und nimmer würde man eine Kuh in ein Flugzeug lassen, selbst wenn Becky zwei Sitzplätze für Anouk buchte.

Eine Alternative war das Auto. Ihre Eltern fuhren meistens mit ihren alten Jeep in die Schweiz. Aber auch das konnte Becky sofort vergessen, da sie nun mal noch keinen Führerschein hatte. Mit dem Zug ist eine Reise in die Schweiz natürlich auch möglich. Doch sie konnte sich nicht vorstellen, dass es klappen würde, eine Kuh im Abteil mitzunehmen. Anouk als großes Paket zu verpacken, wäre zwar praktisch, wiederum aber nicht realisierbar. Und von einem Viehwagen an einem Intercity hatte Becky ganz sicher noch nichts gehört.

Becky starrte in die Ecke. An was sie jetzt dachte, ließ sie unbeweglich wie ein Stein am Grund haften. Laufen! Mit Anouk laufen! Wie sollte sie das tun? Unterwegs die Milch verkaufen, um ein Hotel zu bezahlen? Vielleicht verlassene Bauernhöfe aufsuchen, um im Heu zu übernachten? Allein diese Vorstellung trieb ihr einen kalten Schauer über den Rücken.

Ob sie wollte oder nicht, sie brauchte Hilfe! Allein ging es einfach nicht. Ihre Eltern konnte sie nicht fragen. Dann würde ihr Vorhaben sofort wie eine Seifenblase zerplatzen. Becky hatte ja noch einen großen Bruder, vielleicht … . Sie stöhnte und verdrehte die Augen. Na, von dem war auch nichts zu erwarten. Im Moment hatte er nur Mädchen, sein neues Mofa und Musik im Kopf. Über andere Dinge konnte Becky nicht vernünftig mit ihm sprechen. Sicher würde diese Phase auch wieder vorbeigehen, aber solange konnte sie wirklich nicht warten.

Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, fiel ihr ihr Cousin Vincent ein. Vincent hatte ein Boot. Nicht extrem groß, aber doch schon ganz ordentlich. Jedenfalls hatte es sich so bei den Gesprächen der Erwachsenen angehört. Vincent war so etwas wie das schwarze Schaf der Familie. Er hatte am Konservatorium Musik studiert und wollte dann lieber seine eigenen Stücke komponieren, anstatt bei einem großen Orchester zu spielen. Die Familie fand das bei seiner Begabung skandalös und reine Zeitverschwendung, so hörte Becky jedenfalls noch ihre Mutter sagen.

Anouk auf Reisen bei den Drachewolke Geschichten

 

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