Die Sonne kitzelt Schlappo an seinem Hutrand. Es ist ein schöner warmer Frühlingstag. Vom Sturm, der diese Nacht gewütet hat, ist nichts mehr zu merken. Becky und Leon sind bereits aufgestanden und haben gefrühstückt. Sie wollen schnell in den Garten hinaus. Im Frühling sind draußen immer viele neue, aufregende Dinge zu sehen und zu erleben. Die ersten Blumen blühen bereits. Die Schneeglöckchen waren die Ersten und bald steckten auch die bunten Krokusse ihre Köpfchen aus der Erde. Die kleinen Weidenkätzchen kriechen aus den noch kahlen Zweigen. Käfer summen.

Leon findet vor allem die Insekten interessant. Mit großem Jagdeifer sammelt er alles ein, was krabbeln oder fliegen kann. Schlappo sitzt dabei auf Leons Kopf. Leon glaubt, dass die Krabbeltiere ihn nicht so schnell entdecken, wenn er sich unter dem noch etwas zu großem Hut versteckt. Mit dem Schmetterlingsnetz in der einen und einem Glas mit durchlöchertem Deckel in der anderen Hand kriecht oder schleicht er langsam durch den Garten.

Da hört er plötzlich ein klägliches Piepen. Es ist nicht laut jedoch durchdringend. Langsam pirscht Leon sich durch die Sträucher nach vorn. In Gedanken sieht er bereits, wie er ein hilfloses Drachenbaby gefunden hat, es tröstet und gegen einen echten großen Monsterdrachen kämpft. Auch Schlappo späht aufmerksam um sich.

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Ups, da ist es ja! Ein kleiner dunkelbrauner Vogel kauert direkt vor ihm auf dem Boden. Beinahe hätte er ihn übersehen. Seine Flügel sind noch ganz nass und weit auseinandergespreizt. Scheinbar kann der Kleine noch nicht gut fliegen. Leon kauert sich vor ihm auf den Boden und schaut das kleine Federknäuel fragend an. Der gibt keinen Ton mehr von sich und zittert nur fürchterlich am ganzen Körper.

Auch Schlappo schaut mitleidig zu dem kleinen Tier. Die beiden Entdecker wissen nicht so gut, was sie jetzt tun müssen. Leon schaut sich um, ob er irgendwo die Vogelmutter sieht. Ganz leise hockt er im Gras zwischen Blättern und wartet. Auch Schlappo schaut aufmerksam um sich. Aber nichts, auch rein gar nichts, ist von ihr zu sehen.

Da hat Leon eine Idee. Er nimmt Schlappo vom Kopf. Dann holt er ein Taschentuch aus seiner Jacke. Warum den Vogel nicht in den Hut tun? Da ist der kleine Piepmatz zumindest sicher. Leon nimmt das Taschentuch und setzt damit den kleinen Kerl vorsichtig in den umgedrehten Schlapphut. So ein Hut kann ein richtiges Nest sein. Das kleine Vögelchen schmiegt sich an den Stoff. Es zittert immer noch am ganzen Körper.

Leon setzt Schlappo mit dem Vogel auf die Gartenbank in die Sonne. Dann legt er das Taschentuch über die Öffnung des Hutes. Der Hut versucht sich etwas kleiner zu machen, um so das kleine Federknäuel besser zu beschützen und zu wärmen. Da fühlt Schlappo plötzlich etwas Nasses. „Oh, nein! Auch das noch!“ denkt er. Vor Aufregung hat der kleine Vogel gekackt. Schlappo liegt wie versteinert auf der Bank und rührt keiner Stofffaser mehr.AmselHut003

Leon hat nichts davon mitbekommen und schaut sich im Garten um. Er will seinen interessanten Fund seiner Schwester zeigen. Vielleicht hat sie eine Idee, wie sie gemeinsam dem Vogel helfen können. Er läuft schnell zum Haus, um sie dort zu suchen. Als Becky die Geschichte hört, will sie das Vögelchen sofort sehen. Sie ist ganz aufgeregt, als sie das Federknäuel in Schlappo sitzen sieht. Schlappo selbst fühlt sich nicht mehr ganz so wohl. Er ist stolz, dass er für den Vogel beschützend als Nest dient. Aber dass er auch noch Toilette sein muss und zu stinken beginnt, ist nicht lustig.

Leon hat plötzlich eine Idee. Warum nicht ein paar Würmer oderSchlappo und die Amsel Insekten für das Vögelchen suchen. Sicher hat es Hunger. Seine Jagdausrüstung hat er dabei. Also los geht es. Auch Becky findet das eine prima Idee. Sie läuft hinter Leon her. Kleine kriechende Tierchen findet sie eher etwas ekelig. Und anfassen würde sie so etwas sicher nicht freiwillig. Die fliegenden Käfer einzufangen, gelingt den beiden nicht wirklich gut. Darum beginnen sie mit Feuereifer Würmer aus der noch feuchten Erde auszugraben. Becky gräbt und Leon zieht sie aus der Erde und steckt sie ins Glas.

 

Schlappo und die Amsel

Schlappo und die Amsel

Schlappo macht sich inzwischen weiter Sorgen um die Verdauungsprozesse des kleinen Vogels. Den mehr Essen bedeutet auch mehr kacken. Und er ist jetzt schon dreckig genug. Er denkt angestrengt nach. In der Zwischenzeit schmiegt er sich an das Vögelchen, um ihm etwas Wärme zu geben.

 

Leon und Becky kommen mit den Regenwürmern im Glas zurück. Leon hält dem kleinen Vogel einfach einen Regenwurm vor den Schnabel. Der Regenwurm bewegt sich hin und her. Das Vögelchen guckt mit seinen Kulleraugen ungläubig. Nichts passiert weiter. Nach vielen guten Zureden wollen Leon und Becky es bereits aufgeben. Plötzlich, happ ist der Regenwurm weg. Sie sehen noch wie das Vögelchen schluckt. Dann schaut er die beiden Kinder wieder erwartungsvoll an. Alle gefangenen Würmer aus dem Glas werden verfüttert. Mit einer Riesengeschwindigkeit schlingt die kleine Amsel alles hinunter. Leon, Becky und Schlappo sind fasziniert. Und schon wieder schaut der Vogel sie mit großen Augen an. Er scheint absolut nicht satt zu werden. Es ist unglaublich, wie viel ein so kleines Tier fressen kann.

Becky legt das Taschentuch wieder über das Vögelchen. Es schließt halb die Augen und scheint endlich etwas zu schlummern. Auf jeden Fall ist es ruhiger geworden und hat aufgehört zu zittern.

Stunden graben Leon und Becky nach Würmern. Das Vögelchen happt alles weg, was ihm vor dem Schnabel kommt. Es ist wirklich ein Nimmersatt. Zum Mittagessen haben auch Leon und Becky einen Riesenhunger. Es gibt für beide eine üppige Portion Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Danach sind sie so erschöpft, dass sie auf dem großen Sitzkissen im Kinderzimmer einschlafen. Eigentlich wollten sie ein paar Bücher lesen, um mehr über Vögel zu erfahren.

Auch das Vögelchen hat ein kleines Nickerchen gehalten. Schlappo schmiegt sich verschlafen an seinen neuen kleinen Freund. Es dauert jedoch nicht lange und die kleine Amsel will wieder auf Erkundungstour gehen. Natürlich vermisst es auch seine Mutter. Flatternd erreicht es nach mehreren Versuchen den Rand des Hutes. Von hier aus flattert der kleine Vogel in den Garten.

Laut piepsend hüpft es durch die Gemüsebeete. Das Fliegen funktioniert noch nicht richtig. Schlappo schaut dem Treiben mit gerunzelten Hutfalten zu. Dann entdeckt er die große braune Amsel, die laut schilpt. Er hat sofort das Gefühl, das muss die Mutter des Kleinen sein. Und wirklich, die beiden Vögel machen ein riesengroßes Spektakel, weil sie einander wieder gefunden haben. Die Mutter hatte den ganzen Morgen ihr Junges gesucht, dass bei dem Unwetter in der Nacht mit dem Nest aus dem Baum gefallen war. Die Freude ist riesengroß.

Als Becky und Leon wach werden, stürmen sie sofort in den Garten. Das Spektakel dort ist unüberhörbar. Sie sind froh, die Amselmutter und ihr Kleines so glücklich wieder vereint zu sehen. Jetzt brauchen die beiden nur noch ein sicheres Zuhause. Die kleine Amsel kann nicht die ganze Zeit auf der Wiese herumhüpfen. Was geschieht, wenn die Katzen des Nachbarn den kleinen Vogel entdeckt?

Becky und Leon überlegen, was sie als Nest gebrauchen können. Vielleicht nehmen sie ganz einfach Schlappo? Schlappo erschrickt enorm. Das kann doch nun niemand von ihm fragen, bei aller Vogelliebe. Für kurze Zeit war es ganz nett ein Nest zu sein, aber er war ein Hut, ein stolzer und adretter Hut. Und außerdem fürchtete er sich nachts im Garten. Auch Becky ist nicht ganz so glücklich mit der Idee, den Hut wegzugeben.

Die Kinder suchen den Garten ab. Vielleicht ist sogar das alte Nest noch irgendwo zu finden. Ja, nach ein paar Minuten entdecken sie es in Johannisbeersträuchern hängend. Es ist ein weinig kaputt. Mit ein paar Handgriffen, etwas trockenen Gras und Blättern ist es jedoch wieder schnell repariert. Mit Hilfe einer Leiter setzen sie es in den alten, knorrigen Apfelbaum zurück.

Leon trägt die kleine Amsel in einen Tuch eingewickelt zum Baum. Vorsichtig setzt er das schimpfende Vögelchen in sein altes, neues Zuhause. Die kleine Amsel beruhigt sich schnell und schläft nach all der Aufregung wieder ein. Seine Mutter macht sich schnell auf die Futtersuche. Leon und Becky gehen zufrieden zurück nach Hause. Auch Schlappo ist mit sich glücklich und stolz. Immerhin hat er den Vogel gegen alle Gefahren wehrhaft verteidigt. Er vergisst selbst für einen Moment die stinkenden Dreckflecken auf seinem runden Bauch. In der Küche angekommen, wird er sofort in die Waschmaschine gesteckt. Dort träumt er drehend noch weiter von der kleinen Amsel.

 

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